Religionen als „Anwälte für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit und für Rechte, für Toleranz und für Frieden“: MP Kretschmann

Am 17. März 2026 fanden zwei besondere Veranstaltungen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann statt:

Vormittags diskutierte er beim Auftakt zu unserem Akademie-Jubiläum die Rolle der Kirchen in einer säkularen Gesellschaft, abends dann hatte MP Kretschmann die muslimische Community zum Iftar eingeladen.

„Auch eine säkulare Gesellschaft, ja gerade die säkulare Gesellschaft braucht das, was uns nur die Religion geben kann“, so Kretschmann am Vormittag in der Akademie. Dazu zähle eine grundlegende „Lese- und Deutungsfähigkeit unserer Kultur“, aber auch das Erzählen „von der Verantwortung für die Welt, für die Menschen, für die Zukunft, von Nächsten- und Feindesliebe, also von Empathie und Respekt, von Umkehr und Vergebung, also von Neuanfang und Toleranz“.

Am Abend dann hatte Kretschmann in das Stuttgarter Schloss zum Fastenbrechen eingeladen – wie jährlich seit 2011, seinem Amtsantritt, damals als erster MP des Landes. Kretschmann unterstrich die Bedeutung der Religionen für das Zusammenleben und auch, was im Zusammenwirken zwischen Staat und religiösen Akteuren in den letzten Jahren für das muslimische Leben in Baden-Württemberg erreicht wurde: die Fortschritte bei der Verankerung Islamischer Theologie an den Hochschulen und beim Islamischen Religionsunterricht etwa. Das anschließende Podium vertiefte das: So hob etwa Hussein Hamdan vor, wie wichtig es war, dass 2014 die Sargpflicht für Muslime abgeschafft wurde, um muslimische Bestattungen hierzulande zu ermöglichen, oder auch die konstruktive Ausgestaltung des Sicherheitspakets in Baden-Württemberg. Mit beidem hat auch das Projekt der Islamberatung zu tun, das für Baden-Württemberg an der Akademie koordiniert wird, in Person von Hussein Hamdan und Simone Trägner auf dem Podium vertreten war, und dessen Beitrag auch von MP Kretschmann gewürdigt wurde.

Sowohl vormittags wie abends sprach Kretschmann aber auch die „gewaltigen Veränderungen“ an, vor denen wir stehen: den Klimawandel, die geopolitischen Verwerfungen und wirtschaftlichen Umbrüche oder „die digitale und kommunikative Revolution – und diese Umbrüche schaffen eine große Verunsicherung bei den Menschen, denn sie stellen alles in Frage und gehen ans Eingemachte. Und es gibt keine einfachen Lösungen, auch wenn uns das die Populisten weismachen wollen. Gerade in solchen Umbruchszeiten könnten die Kirchen aber ihre Stärke ausspielen.“ – Denn: „Umbrüche müssen den Kirchen keine Angst machen, weil Veränderung, der Wandel, die Reform zu ihrem Wesenskern gehört“. „Wir brauchen deshalb Kirchen, die uns an diesen Zeiten des Umbruchs begleiten. Mit einem klaren Kompass an Grundwerten und Grundüberzeugungen“, „als Anwälte für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit und für Rechte, für Toleranz und für Frieden“.

Eine solche Reformbereitschaft, eine solche Anwaltschaft, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein anspruchsvoller Auftrag, den sich nicht nur die Kirchen, sondern „alle Menschen guten Willens“ zu eigen machen können und sollten, besonders aber die Religionsgemeinschaften – was am Abend dann auch Mouhanad Khorchide für dir muslimische Seite sehr prägnant unterstrich.