Rund 200 Studierende und Interessierte kamen zum Abendvortrag an die Hochschule Kehl, der im Rahmen des Studiums Generale stattfand, um sich mit dem muslimischen Leben in Deutschland und den Erfahrungen aus der kommunalen Praxis in Baden-Württemberg auseinanderzusetzen. Die Aula der Hochschule sowie angrenzende Seminarräumen wurden dabei gefüllt.

Unter dem Titel „Muslimisches Leben in Deutschland – Erfahrungen aus der Praxis in Baden-Württemberg“ bot die Abendveranstaltung Einblicke in die vielfältigen Facetten muslimischen Lebens und die Herausforderungen und Chancen des Zusammenlebens auf kommunaler Ebene.
Als Referent:innen waren Fatma Gül von der Stadt Stuttgart und Dr. Hussein Hamdan von der Islamberatung Baden-Württemberg zu Gast, die bereits im Vorjahr gemeinsam an der Hochschule Kehl zum Thema gesprochen hatten. Auch dieses Mal ergänzten sie sich mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen und sorgten für einen abwechslungsreichen, praxisnahen und informativen Abend. In der anschließenden Fragerunde übernahm der stellvertretende Projektleiter der Islamberatung Baden-Württemberg Dr. Andreas Pattar, Professor an der Hochschule Kehl für Verwaltungsrecht mit Schwerpunkt Sozialrecht, die Moderation.
Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen aus der Arbeit der Islamberatung Baden-Württemberg, die seit mehr als zehn Jahren Kommunen, muslimische Organisationen und weitere Akteure bei Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens berät. Anhand konkreter Beispiele aus der Beratungspraxis wurde deutlich, wie vielfältig die Berührungspunkte zwischen muslimischem Leben und kommunalem Verwaltungshandeln sind.
Die Themen reichten vom Moscheebau und dem öffentlichen Gebetsruf über islamische Bestattungsmöglichkeiten und religionssensible Pflege bis hin zur muslimischen Jugendarbeit und der Beteiligung muslimischer Organisationen an kommunalen Entscheidungsprozessen. Auch der Umgang mit gesellschaftlichen Spannungen, Muslimfeindlichkeit und Antisemitismus wurde thematisiert.
Dabei zeigte sich, dass Kommunen eine zentrale Rolle für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander spielen. Auch wenn die Ausgangslagen vor Ort unterschiedlich sind, stehen Städte und Gemeinden häufig vor ähnlichen Fragestellungen. Diese betreffen in ihren konkreten Arbeitszusammenhängen immer wieder auch die Verwaltungsstrukturen, was das hohe Interesse an der Veranstaltung erklärt.
Insbesondere das von Fatma Gül vorgestellte Konzept eines Hearings der Stuttgarter Moscheegemeinden, das seit zwei Jahren erfolgreich angewandt wird, zeigte anschaulich, dass Dialog trotz Hürden zustande kommen kann.
Im Rahmen dieses Hearings werden zweimal jährlich alle Moscheegemeinden im Stadtgebiet zu einem Treffen mit der städtischen Verwaltung in das Rathaus eingeladen. Auch der Staatsschutz nimmt beratend an diesen Treffen teil. Das Besondere ist, dass verschiedene Moscheegemeinden mit unterschiedlichen Ausrichtungen an einem Tisch zusammenkommen, um über aktuelle Themen und Entwicklungen zu sprechen.
Auch Dr. Hamdan, der als Islamberater die Stadt zum Hearing beraten und zwei Sitzungen begleitet hat, lobte das Konzept. Es ließe sich mit Anpassungen auch auf andere Städte übertragen und könne dann helfen, Teilhabe zu ermöglichen und Konflikte bereits frühzeitig zu erkennen und entgegenzuwirken. Die Islamberatung hat anderen Kommunen ein solches Format bereits nahegelegt.
Das außerordentlich große Interesse an der Veranstaltung unterstrich die Aktualität und die praktische Bedeutung des Themas besonders auch in Strukturen der Verwaltung.
von Dominic Scheim