Eine Ecke, zwei Kopfbälle, ein Tor: Am 12. Juni 2026 schlägt Ivan Bašić im WM-Spiel gegen Kanada in Toronto den Eckball. Sead Kolašinac verlängert am ersten Pfosten mit dem Kopf, Jovo Lukić köpft in der 21. Minute zur Führung ein. Es ist Bosnien-Herzegowinas erster Treffer bei dieser Weltmeisterschaft; das Spiel endet 1:1. Muhamed Jugo erzählt den Spielzug so: „Die Ecke schießt ein Kroate, ein Muslim verlängert“ – und ein christlicher Serbe trifft. „Das war die wahre interreligiöse Zusammenarbeit.“
In wenigen Sekunden wird anschaulich, worum es ihm beim Zusammenleben geht: Menschen unterschiedlicher Zugehörigkeit bringen ihre Fähigkeiten ein und schaffen gemeinsam etwas, worüber sie sich freuen können. In Jugos Erzählung bleibt erkennbar, wer welchen Hintergrund mitbringt. Das Tor gelingt durch ihr Zusammenspiel.
Die Geschichte führt mitten in seinen Beitrag „Muslimische Lebenswelten in Europa“ bei der interreligiösen und interdisziplinären Studienwoche „Zusammenleben gestalten: Ressourcen, Konflikte, Umgangsweisen“. Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Eugen-Biser-Stiftung veranstalteten sie vom 4. bis 9. Oktober 2026 im Tagungszentrum Hohenheim. An der bosnischen Erfahrung lässt sich nachvollziehen, wie Muslim:innen Schulen aufbauen, ihre Imame selbst bezahlen, religiöse Autorität mit gewählter Verantwortung verbinden und mit Nachbar:innen anderer Religionen zusammenleben. Für viele Fragen, die in Deutschland diskutiert werden, gibt es hier bereits praktische Erfahrungen – einschließlich der Schwierigkeiten, die solche Lösungen mit sich bringen.
Jugo kennt diese Arbeit von innen. Im Rijaset, der Leitung der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, ist er für die Beziehungen zur westlichen Welt zuständig. Er empfängt kirchliche Delegationen, besucht Gemeinden und führt Gespräche mit staatlichen Stellen. Auch seine Biografie verbindet beide Länder: Als Kriegsflüchtling wuchs er in München auf, besuchte später eine Medresse, eine islamische Lehreinrichtung, in Kroatien, studierte in München und kehrte nach Bosnien zurück. Seine Aufgabe beschreibt er mit wenigen Worten: „Freunde zu gewinnen“. Denn: „Wir werden sehr oft vergessen.“

Gemeinsam jubeln – über Grenzen hinweg
Ein zweites Fußballbeispiel war beim Vortrag gerade zwei Tage alt. Am 5. Oktober 2026 verwandelte Ivan Bašić im Stadion Bilino Polje in Zenica in der 84. Minute einen Elfmeter. Damit sicherte er Bosnien-Herzegowina in der Nations League den 1:0-Sieg gegen Polen. Jugo hob hervor, wie die muslimischen Fans den Spieler feierten, den er als Kroaten und Katholiken beschrieb. Bašić war ihr Held, weil er ihrer Mannschaft den Sieg gebracht hatte. Die Freude am gemeinsamen Erfolg schuf eine Verbindung über religiöse und ethnische Zugehörigkeiten hinweg.
Auch die Spielerbiografien verbinden Bosnien mit anderen europäischen Ländern. Neben Edin Džeko stehen Spieler wie der in Karlsruhe geborene Sead Kolašinac und der in Hamburg geborene Ermedin Demirović. Ihre Lebenswege führen in der bosnisch-herzegowinischen Nationalmannschaft zusammen. Das Team kann auf Können zurückgreifen, das die Menschen an verschiedenen Orten erworben haben. Wer über Bosnien spricht, muss auch seine Diaspora in den Blick nehmen.
Die Verbindung reicht ebenso in die andere Richtung. Zlatan Ibrahimović wurde in Schweden als Sohn eines bosnischen Vaters und einer kroatischen Mutter geboren und spielte für die schwedische Nationalmannschaft. Jugo machte daraus einen Scherz: „Ihr könnt ihn haben“, habe man den Schweden gesagt – als Dank dafür, dass Schweden im Krieg geholfen und viele Flüchtlinge aufgenommen habe. In seiner Erzählung kommen Fußball, Fluchtgeschichte und die Beziehungen zwischen den Ländern zusammen.
Religiöse Bildung, die viele Wege öffnet
In den Medressen, wie die islamischen Gymnasien heißen, entfällt etwa ein Fünftel des Unterrichts auf religiöse Fächer. Nur ungefähr 15 bis 20 Prozent der Absolvent:innen studieren anschließend islamische Wissenschaften. „Am meisten studieren sie Medizin“, sagte Jugo. Andere wählen Ingenieurwesen, Sozialwissenschaften oder weitere Studiengänge. Die Schulen sollen junge Muslim:innen befähigen, in unterschiedlichen Berufen gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
Das ist eine bewusste Entscheidung. Seit für den Imamberuf eine weiterführende Ausbildung erforderlich ist, konnte der Anteil religiöser Fächer an den Schulen reduziert werden. Die Gymnasien sind staatlich anerkannt, werden auch staatlich finanziert und unterliegen staatlicher Aufsicht. Bei den religiösen Fächern und Lehrbefugnissen kommt die Bestätigung durch das religiöse Oberhaupt hinzu. Die entsprechenden Lehrkräfte müssen dann von beiden Seiten bestätigt werden. Religiöse Trägerschaft und öffentliche Bildungsstandards werden so in einer Schule zusammengeführt.
Das zeigt auch: Muslimische Bildungsarbeit kann weit über die Ausbildung von Imamen und Religionslehrkräften hinausreichen. Sie kann Jugendlichen eine religiöse Heimat geben und ihnen zugleich viele berufliche Wege eröffnen. Ein deutscher Staatssekretär kam nach Bosnien, um sich die Schulen anzusehen. Für Jugo war das eine ungewohnte Blickrichtung: Wer in Bosnien nach Lösungen suche, schaue gewöhnlich nach Deutschland. Nun wurde greifbar, „dass wir auch Deutschland etwas bieten können“.
Die bosnischen Schulen haben ihrerseits bei anderen gelernt. Ihre Leitungen besuchten zunächst Einrichtungen in der Türkei, später ein evangelisches Gymnasium nahe Stuttgart sowie Schulen in Linz und Innsbruck. Sie schauten sich an, wie dort gearbeitet wird, und entwickelten die eigenen Schulen weiter. Erfahrungen wandern dabei in beide Richtungen und über Religionsgrenzen hinweg.
Wie bosnische Unterrichtsmaterialien auch andernorts in Europa genutzt werden können, zeigte ein weiteres Beispiel. Für den staatlichen Religionsunterricht in Bulgarien seien zunächst Lehrbücher aus der Türkei beschafft worden, berichtete Jugo. Das zuständige Ministerium habe sie als unpassend für das eigene Schulsystem zurückgewiesen. Daraufhin habe man sich nach Sarajevo gewandt. Die bosnischen Bücher hätten lediglich übersetzt werden müssen.
„Ein Lernprozess für unsere Nation“
Mit wechselnden politischen Ordnungen zurechtzukommen, gehört seit Langem zur Geschichte der bosnischen Muslim:innen. Muslimisches Leben ist hier seit Jahrhunderten in Europa beheimatet und entwickelte sich im Zusammenleben mit katholischen, serbisch-orthodoxen und jüdischen Nachbar:innen. Die religiöse Tradition ist hanafitisch und osmanisch geprägt; örtliche Bräuche und Begegnungen haben ihr eine eigene Gestalt gegeben.
Wie wenig die historischen Verflechtungen in verbreitete Sortierschemata passen, erzählte Jugo anhand einer Begegnung in Ungarn: Eine bosnisch-muslimische Gemeinschaft wollte eine rund 400 Jahre alte Moschee im Süden des Landes wieder für das Freitagsgebet nutzen. Jugo sollte den Schlüssel abholen und überlegte, wie er sich ohne Ungarischkenntnisse verständigen könnte. Da begrüßte ihn ein Mann auf Bosnisch. Er hieß Ivan, war Katholik und stellte sich als Bosniake vor. Seine Vorfahren waren ausgewandert, bevor sich die heute geläufigen ethnisch-religiösen Zuordnungen verfestigt hatten.
Die wechselnden politischen Ordnungen verglich Jugo mit Schulklassen: „Das ist jetzt keine bloße Chronologie, sondern das ist ein Lernprozess für unsere Nation.“ Nach dem Osmanischen Reich kam die Habsburgermonarchie. Für die Muslim:innen stellte sich damals die Frage, ob sie unter einer nichtmuslimischen Regierung bleiben könnten: „Können wir dann überhaupt Muslime sein?“ Viele wanderten aus. Die Verbliebenen mussten klären, wie sie ihre Religion weiterleben und ihre Angelegenheiten selbst organisieren konnten.
In dieser Zeit entstanden wesentliche Grundlagen der heutigen Gemeinschaft. Das Amt des Reis-ul-ulema, ihres religiösen Oberhaupts, verband staatliche Anerkennung mit religiöser Beauftragung. Kandidaten wurden in Bosnien vorgeschlagen, die Auswahl erfolgte in Wien, die religiöse Bestätigung kam aus Istanbul. „So hatten wir ein Dreieck“, sagte Jugo. Die Gemeinschaft lernte, religiöse Überlieferung und die Anforderungen einer anderen politischen Ordnung miteinander zu verbinden. Auf diese Geschichte spielt er auch in heutigen Gesprächen an: Die unter habsburgischem Einfluss entstandene Organisationsform sei „ein österreichisches Produkt“, das man nun „wieder nach Österreich exportieren“ könne.
Auch die jugoslawischen Ordnungen verlangten neue Antworten. Unter dem Kommunismus wurden religiöse Stiftungen enteignet und die Arbeit der Religionsgemeinschaften eingeschränkt. Umso bedeutsamer war es, dass 1977 in Sarajevo eine Fakultät für islamische Wissenschaften gegründet werden konnte. Die Erfahrung, religiöse Bildung unter schwierigen Bedingungen zu erhalten, gehört zu dem Wissen, auf das die Gemeinschaft heute zurückgreift.
Im Gespräch, das Dr. Christian Ströbele von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart moderierte, wurde zudem hervorgehoben, wie stark der Austausch mit Bosnien die Entwicklung islamischer Theologie im deutschsprachigen Raum begleitet hat. Auch die Auseinandersetzung mit Nationalismus, Konflikt- und Friedensethik hat dort eine lange Vorgeschichte. Wer von Bosnien lernt, begegnet einer europäischen islamischen Tradition, die viele dieser Fragen bereits mit geraumer Erfahrung bearbeitet.
Wer entscheidet über den Imam – und wer bezahlt ihn?
„Wir sind nicht Teil des Staatsapparats”, betonte Jugo. Die Eigenständigkeit der Islamischen Gemeinschaft ist für ihn eine Grundbedingung ihrer Arbeit. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Staat ebenso wie die Verantwortung der Mitglieder für ihre Gemeinschaft.
Neben den religiösen Ämtern bestehen gewählte Leitungsfunktionen. In einer Moscheegemeinde gibt es gewöhnlich neben dem Imam eine:n gewählte:n Vorsitzende:n aus dem Kreis der Laien. Über den Haushalt entscheidet eine Versammlung mit 78 Mitgliedern; „zwei Drittel sind Laien, die in den Moscheen gewählt werden.“ Auch Gemeinden außerhalb Bosniens sind vertreten. Die Mitglieder finanzieren die gemeinsame Arbeit und wirken an den Entscheidungen mit.
Auch Frauen können in diese Gremien gewählt werden. In der Versammlung sind es aus Jugos Sicht noch zu wenige; in Bildungseinrichtungen, im Religionsunterricht und in seiner eigenen Abteilung spielen sie eine große Rolle und stellen teilweise die Mehrheit. Das Imamat bleibt in der Gemeinschaft Männern vorbehalten.
Gewählte Beteiligung bedeutet auch hier, über ihre Reichweite und Grenzen weiter zu sprechen. Wie sich religiöse Autorität und örtliche Entscheidung verbinden lassen, zeigte Jugo an einer freien Imamstelle in Deutschland. Angenommen, zehn Bewerbungen gehen ein: Sarajevo prüft, wer die Voraussetzungen für die religiöse Beauftragung erfüllt. Fünf Kandidaten kommen beispielsweise infrage. Die Gemeinde erhält ihre Namen, lädt Bewerber ein und entscheidet, wer zu ihr passt. Anschließend stellt sie den Imam ein und bezahlt ihn aus ihren Mitgliedsbeiträgen.
Mehr Zentralisierung würde der Leitung mehr Kontrolle geben, räumte Jugo ein. Die Gemeinschaft habe sich aber bewusst für die Autonomie der Moscheegemeinden entschieden: „Damit sie auch entscheiden können, was für sie gut ist.“
Auch beim Geld lohnt ein genauer Blick auf die Richtung der Verbindung. Sarajevo finanziert nach Jugos Angaben keine Imamstellen in den Diasporagemeinden. Umgekehrt gehen etwa 60 Prozent der hier gesammelten Zakat, der religiösen Pflichtabgabe, in die gemeinsame Kasse nach Sarajevo. Die Gemeinden im Ausland tragen damit die Arbeit in Bosnien mit.
Für die deutsche Debatte über „Auslandseinfluss“ ergibt sich daraus eine wichtige Unterscheidung: Wer einen Imam religiös beauftragt, muss weder sein Gehalt bezahlen noch seine Einstellung vor Ort bestimmen. Für Jugo gehört die Verbindung zum Reis-ul-ulema zur religiösen Überlieferung. Am konkreten Verhältnis erst ist beurteilbar, welche Unterstützung, Verantwortung oder Abhängigkeit mit einer Verbindung ins Ausland einhergeht.
Die Diskussion über die Strukturen geht weiter. So seien etwa Gespräche über einen Körperschaftsstatus in Deutschland auch wegen Zweifeln über den Nutzen innerhalb der eigenen Gemeinschaft nicht weiter betrieben worden. Erfahrungen aus Sarajevo können helfen; die Gemeinden in Deutschland müssen die nötigen Entscheidungen selbst mittragen. Zugleich wirken bosnische Gemeinden am islamischen Religionsunterricht in Baden-Württemberg und an der Ausbildung religiösen Personals im Islamkolleg Deutschland mit.
Verschiedenes mitbringen, gemeinsam weiterarbeiten
Grenzüberschreitende Verbindungen prägen auch die Ausbildung. Während des Krieges und danach studierten junge Menschen aus Bosnien in der Türkei, in Ägypten, Saudi-Arabien oder im Iran, andere in Deutschland oder Österreich. Bei der Rückkehr brachten sie unterschiedliche religiöse Prägungen und Kenntnisse mit. Daraus sei innerislamischer Dialog entstanden – und die Möglichkeit, sich gegenseitig zu bereichern: „Du bist dafür spezialisiert, du hierfür. Jetzt machen wir etwas Neues.“
Mitgebrachte Erfahrungen lassen sich innerhalb gemeinsamer Einrichtungen prüfen, diskutieren und für neue Aufgaben nutzen. Dafür braucht es Menschen, die die jeweiligen Lebensverhältnisse kennen. Ein Diskussionsteilnehmer machte dies am Unterricht deutlich: Kinder, die in Deutschland zur Schule gehen, kennen bestimmte Lernformen. Ein Imam muss sie sprachlich und pädagogisch erreichen können. Gute theologische Ausbildung, Kenntnis des Alltags und passende Arbeitsstellen müssen zusammenkommen.
Der Wunsch nach gemeinsamer Organisation wirft auch Schwierigkeiten auf. Jugo hatte geschildert, wie die Islamische Gemeinschaft gegen unabhängige, insbesondere wahhabitisch beziehungsweise salafistisch geprägte Moscheevereine vorging und staatliche Schließungen anregte.
Jugo verwies aber auch auf mystische Traditionen, die innerhalb der Gemeinschaft eigene Zuständigkeiten besitzen. Die Gefahr finanzieller Abhängigkeit erläuterte er an einem/einer möglichen Stifter:in: Jemand möchte eine neue Moschee bauen, obwohl es vor Ort bereits eine gibt, die renoviert werden könnte. „Da ist kein Bedarf.“ Und wer soll anschließend den Imam bezahlen? Wenn auch dessen Gehalt für Jahrzehnte vom Stiftenden abhängt, entsteht eine dauerhafte Bindung. Der Grundsatz der Gemeinschaft lautet deshalb: „Die Imame sollen alle von ihren Mitgliedern finanziert werden.“
Zusammenleben braucht die Anerkennung des Unrechts
Wie viel auf dem Spiel steht, wurde dort deutlich, wo Jugo über den Krieg sprach. „Entschuldigen Sie auch, wenn ich manchmal persönlich bin“, hatte er angekündigt, „weil das gehört auch zu unserer Institution, zu unserer Geschichte.“ Als Kind habe er in einer Reihe von Menschen gestanden, denen die Erschießung drohte. Die Erfahrungen von Gewalt, Vertreibung und Verlust wirken für viele bis heute fort.
Die Gemeinschaft ruft nach Jugos Darstellung zu Toleranz und zum Verzicht auf Vergeltung auf. Zugleich muss sie erleben, dass Kriegsverbrecher:innen verehrt werden und die Anerkennung des Genozids von Srebrenica verweigert wird. Jugo machte deutlich, dass daraus eine Verantwortung für europäische Partner:innen erwächst. „Es ist eine Frage der Menschheit, des Humanismus.“ Wer von Überlebenden Versöhnungsbereitschaft erwartet, muss ihnen bei der Anerkennung des erlittenen Unrechts beistehen.
Gebe es Stimmen, die sich auf serbischer Seite einer verbreiteten Leugnung entgegenstellten, wurde Jugo gefragt, und verwies auf die “Frauen in Schwarz”. Gerade in einer von Gewalt geprägten Geschichte kommt es darauf an, solche Stimmen wahrzunehmen und Menschen nicht auf eine vermeintlich einheitliche ethnische oder religiöse Position festzulegen.
Wie mühsam konkrete Verständigung sein kann, zeigte seine Erzählung von einer orthodoxen Kirche, die auf dem Grundstück einer zerstörten Moschee errichtet worden sei. Nach langen Gesprächen habe die Islamische Gemeinschaft angeboten, den Abbau der Kirche und ihren Wiederaufbau in einem anderen Dorf zu bezahlen. Am bisherigen Ort sollte wieder eine Moschee entstehen. Das Angebot verband den Anspruch auf das eigene Grundstück mit der Bereitschaft, auch für das Gotteshaus der anderen Verantwortung zu übernehmen.
Beim Wiederaufbau traf Jugo auf einen wiederkehrenden Verdacht: Europäische Besucher:innen fragten nach saudischem Geld und radikalem Einfluss. Seine Gegenfrage: Warum hatten sich Deutschland, Österreich oder die Schweiz nicht stärker am Wiederaufbau beteiligt? Schließlich ging es um den Wiederaufbau „einer europäischen Moschee“. Die historischen Moscheen Bosniens gehören zu Europas Geschichte.
Die abschließenden Gruppenrückmeldungen griffen auf, wie historisches Wissen und persönliche Begegnungen den Blick auf muslimisches Leben in Europa verändern können. Die bosnischen Erfahrungen mit Schulen, religiöser Bildung und der Mitbestimmung in Gemeinden geben zugleich Anregungen für die eigene Arbeit. Zu Jugos Anliegen, „Freunde zu gewinnen“, gehört auch, einander bei Konflikten beizustehen und gemeinsam für die Anerkennung erlittenen Unrechts einzutreten.